Shingon Reiki Schriftzeichen von Mark Hosak

Shingon Reiki Kalligrafie von Mark Hosak, 2015Creative Commons Lizenzvertrag

Shingon Reiki & Usui Reiki

Die Grundlage des Shingon Reiki ist das traditionelle Usui Reiki und die Quellen, aus denen der Reiki-Begründer Mikao Usui (1865-1926) selbst geschöpft hat.

Es war nie die Absicht von Mark Hosak, einen eigenen Reiki-Stil zu begründen. Doch seit er 1993 in Bremen bei Sigrid Fuhrmann mit dem 1. Grad Usui Reiki begonnen hat, wurde Mark Hosak von seiner Lehrerin aufgrund seiner Japanische-Kenntnisse und aufgrund seiner Begeisterung für Japan ermuntert, über Reiki zu forschen. Damals wusste er nicht, dass das dazu führen wird, dass er der Erforschung der historisch nachvollziehbaren Quellen des Reiki einen großen Teil seines Lebens widmen werde.

Nun ist es so, dass Mark Hosak seit seinem ersten Grad in Reiki aus dem Wunsche, anderen zu helfen, per Zufall auf Techniken gestossen ist, wie man ohne Symbole die Kraft in den Händen verstärken und die feinstoffliche Wahrnehmung erweitern kann. So ist in den letzten 20 Jahren einiges an Wissen dazu gekommen, was dann zu seiner persönlichen Art wurde, Reiki anzuwenden und Reiki zu lehren.

Dann hat Mark Hosak sich überlegt, wie er das kommunizieren kann. Würde er die Inhalte und seinen Lehrstil nur Reiki nennen, so würde etwas fehlen. Das könnte auch zu Verwirrung führen, weil dann der Anschein erweckt werden würde, dass diese Inhalte so überliefert wurden. Das, was in den Westen überliefert wurde, ist der Reiki-Stil wie in Frau Hawayo Takata gelehrt hatte. Daher spricht man auch von Takata-Reiki. Mark Hosak hat seinen Lehrstil im Jahre 2005 schließlich Shingon Reiki benannt.

Shingon Reiki ist also kein anderes Reiki. Shingon Reiki ist traditionelles Usui Reiki gelehrt im Stile von Mark Hosak auf seinen langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Reiki. Hinzukommen die Quellen, aus denen Mikao Usui selbst geschöpft hat. Im Rahmen seiner Japanisch-Kenntnisse, seines Studiums der ostasiatischen Kunstgeschichte und Japanologie in Heidelberg und Kyoto und im Zuge seiner Dissertation über Rituale der Heilung, konnte Mark Hosak einiges über Reiki erforschen und in seinen Stil Shingon Reiki mit einfließen lassen. Folglich wird im Shingon Reiki mit der gleichen Reiki-Kraft behandelt wie im Usui-Reiki.

Im Zuge der Forschungen über Usui Reiki und östliche und westliche Weisheitslehren und durch die Bitte seiner Freunde und einiger Reiki-Schüler, entschloss sich Mark Hosak Mitte 2013 Shingon Reiki bis zum Meistergrad zu unterrichten.

Was ist Reiki

Nachdem oben kurz geklärt wurde, dass Shingon Reiki traditionelles Usui Reiki im Stile von Mark Hosak lehrt, folgen nun einige einführende Worte in die Reiki-Heilmethode.

Reiki ist eine japanische Heilmethode, die im Jahre 1922 von dem Japaner Mikao Usui (1865-1926) ins Leben gerufen wurde. Die genau Entstehungsgeschichte und das Leben von Usui wird auf seinem Gedenkstein bei seinem Grabe in Tokio im Tempel Saihôji beschrieben. Dort wird die Usui Reiki Ryôhô 臼井靈氣療法 genannt. Das bedeutet Methode der natürlichen Heilung mit spiritueller Lebensenergie nach Usui.

Reiki bedeutet also spirituelle Lebensenergie. Diese Energie ist eine Kraft, die in jedem Menschen erweckt werden kann, indem er mit traditionellen Weiheritualen darin eingeweiht wird. Dadurch kommt die Reiki-Kraft im Anwender zum Fluss, die er über die Hände auf sich und andere übertragen kann. Das hat wohltuende Wirkungen auf Körper, Geist und Seele. Mit Reiki kann man sich durch Handauflegen entspannen, regenerieren und vitalisieren. Reiki-Handauflegen fördert die sogenannte Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Das heisst, dass der Reiki-Empfänger so von Reiki erfüllt wird, dass er Ressourcen erlangt, die ihm helfen, sich selbst zu heilen. Mit der Entspannung geht oft eine schmerzlindernde Wirkung einher. Erfahrungen zeigen, dass Wunden und Verletzungen körperlicher und seelischer Natur schneller verheilen. Bei chronischen Problemen können mit Reiki neue Wege der Gesundung gegangen werden. Ganz wichtig dabei ist, dass Reiki keinen Arzt oder Psychotherapeuten oder eine schulmedizinische ersetzt. Der Reiki-Anwender ist auch nicht der, der heilt.

Der Reiki-Anwender überträgt die Reiki-Kraft. Die Reiki-Kraft aktiviert die Selbstheilungskräfte des Klienten. Der Klient selbst ist der Heiler, weil er mit Hilfe der Reiki-Kraft seine eigene Heilung unterstützt. Heilung kommt von dem Wort heil und bedeutet ganz und vollständig. Das zeigt, dass mit Reiki die Gesundheit wieder erlangt oder vervollständigt werden kann, während oder nachdem ein Arzt seine Kunst ausgeübt hat. Daher wird Reiki die Schulmedizin niemals ersetzen sondern immer in höchsten Maße ergänzen. Das gilt auch für den Geist und die Seele, weil die wohltuende und aufbauende Wirkung von Reiki die Resilienz (psychische Widerstandskraft und Belastbarkeit) steigern kann.

Die Reiki-Kraft ist nicht die eigene Kraft oder Energie des Reiki-Anwenders. Die Reiki-Kraft fliesst durch den Anwender hindurch. Daher kommt sie von außen in ihn hinein und aus seinen Händen wieder heraus. Dabei bekommt der Reiki-Anwender selbst etwas davon ab, auch wenn er andere mit Reiki behandelt. Das lässt sich mit einem Wasserschlauch zum Blumen gießen vergleichen. Auf der einen Seite geht Wasser (Energie) rein und auf der anderen Seite kommt sie raus. Der Schlauch selbst wird dabei auch nass, so wie Reiki den Anwender erfüllt und erfrischt, durch den die Kraft fliesst.

Dabei mag sich nun die Frage stellen, wo die Reiki-Kraft denn eigentlich herkommt. Das zu Verstehen hilft die Erklärung der Reiki-Schriftzeichen.

Die Reiki-Schriftzeichen

Reiki Schriftzeichen von Mark Hosak

Reiki Kalligrafie von Mark Hosak, 2015Creative Commons Lizenzvertrag

Reiki 靈氣 setzt sich aus zwei chinesischen Zeichen (Kanji) zusammen. Diese wurden seit dem sechsten Jahrhundert mit dem Buddhismus nach Japan überliefert.

Das erst Zeichen ist Rei 靈 und bedeutet spirituell, mystisch und Geist. Etymologisch zeigt es einen Schamanen, der zum Himmel betet, dass es regnen möge. Daher ist Rei 靈 ein altes Zeichen für Regenzauber. Regen ist das Symbol für einen göttlichen bzw. spirituellen Segen. Mit Hilfe eines Segens lässt etwas besser verwirklichen, weil man nicht ganz auf sich allein gestellt ist. Der Schamane symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, der den Segen vom Himmel auf die Erde herunterholt. Ähnlich ist es beim Reiki-Anwender. Dieser holt als Eingeweihter die spirituelle Reiki-Kraft durch sich über seine Hände in die materielle Werde (die Erde). Vor diesem schamanischen Hintergrund gibt es im Shingon Reiki schamanische Anwendungen und Rituale.

Das zweite Zeichen ist ki 氣 und bedeutet Lebensenergie. Ki 氣 setzt sich aus einem Reiskorn und dem Grundzeichen für Energie zusammen. Der Reiskorn symbolisiert den Keim des Lebens. Er selbst ist noch keine lebendige Pflanze, enthält aber alle Informationen des Lebens in seinem Inneren. Das Grundzeichen für Energie ist auch ki jedoch ohne das Reiskorn. Daher ist eine undefinierte Energieform. Nur in Kombination mit dem Reiskorn wird die Energie zu Lebensenergie. Es ist die Kraft, die dem Reiskorn innewohnt.

In Kombination bedeutet Reiki 靈氣 Spirituelle Lebensenergie. Konsultiert man ein Lexikon oder fragt man einen Japaner, wird dabei Reiki oft als eine mystische Atmosphäre bezeichnet. Das hängt damit zusammen, dass Reiki eine Kraft ist, die aus dem nichtphysischen spirituellen kommt. Somit ist Reiki etwas anderes als die Kraft aus dem Qigong oder Prana, weil es dort um Energien aus der unmittelbaren Umgebung wie etwa den Atem und die Nahrung geht und diese Energien mit speziellen Übungen kultiviert werden. Erst durch das Rei 靈 wird die Lebensenergie spirituell und beinhaltet einen Segen von oben.

Die Shingon Reiki Schriftzeichen

Shingon 真言 setzt sich ebenso aus zwei chinesischen Zeichen (Kanji) zusammen. Shin 真 steht für Aufrichtigkeit, Tatsache und Wahrheit. Gon 言 bedeutet Rede, Sprache und Wort. Wortwörtlich bedeutet Shingon also wahre Worte oder aufrichtige Rede.  Gleichzeitig ist Shingon 真言 das japanische Wort für den Sanskrit Begriff Mantra und Siddham. Darüber hat Mark Hosak im Zusammenhang mit Ritualen der Heilung an der Uni Heidelberg promoviert. Mantras sind heilige Worte und Siddham die Schrift bzw. Symbole, um diese aufzuschreiben. Die Reiki-Symbole ab dem 2. Grad sind Werkzeuge für Reiki-Anwendungen, die aus solchen Symbolen und Mantras bestehen. Der Mönch Kûkai 空海 (774-835) nannte die Schule des Tantrischen Buddhismus, den er von China nach Japan überlieferte die Schule der wahren Worte (shingon-shû 真言宗). Von dem Gedenkstein des Mikao Usui ist bekannt, dass er buddhistischer Mönch war. Von der Art, wie Usui Reiki inhaltlich gelehrt hat, ist es wahrscheinlich, dass es sich aufgrund der Nutzung von Symbolen und Mantras um den Tantrischen Buddhismus der Tendai-Schule handelt, die im neunten Jahrhundert die tantrischen Lehren der Shingon-Schule übernommen hat.

Shingon Reiki 真言靈氣 in Kombination bedeutet:

  • Wahre Worte der spirituellen Lebensenergie
  • Reiki mit Mantras und Siddham
  • Reiki mit heiligen Worten und Symbolen

So ist Shingon Reiki nicht nur der Name eines von Mark Hosak begründeten Reiki-Stils. Shingon Reiki gibt von seiner Bedeutung Aufschluss auf die Inhalte, weil dort die Reiki-Kraft des Usui Reiki einerseits auf traditionelle japanische und westliche Weise und im Zusammenhang mit Ritualen und Meditationen der Heilung auf der Grundlage seiner Dissertation gelehrt wird. Das sind gleichzeitig die Quellen, aus denen Mikao Usui zu seinen Lebzeiten geschöpft hat. Mark Hosak geht davon aus, dass Mikao Usui diese Inhalte in sein Usui Reiki Ryôhô hätte mit einfließen lassen, wenn er mehr als vier Jahre Zeit zu lehren gehabt hätte.

Die Inhalte im Shingon Reiki

Shingon Reiki setzt sich aus vier großen Bereichen zusammen, die in Japan schon seit Jahrhunderten zusammen gehören.

  • Tantrischer Buddhismus mit Meditationen und Ritualen der Heilung
  • Schamanismus und Magie des Shintoismus, Shugendô und Okkultismus
  • Usui Reiki Ryôhô – Japanisches Reiki mit Lehren aus der Usui Reiki Ryôhô Gakkai 臼井靈氣療法学会
  • Usui Shiki Ryôhô – westliches Reiki nach Frau Takata

Die Linien im Shingon Reiki

Die Reiki-Linie beschreibt die Folge der Reiki-Meister bis zum Reiki-Begründer Mikao Usui. Man kann nur von einer Reiki-Linie sprechen, wenn die Reihe der Meister von Usui bis zum gegenwärtigen Meister in einer ununterbrochenen Linie mit allen relevanten Einweihungen und Lehrinhalten stattgefunden hat. Die Linien im Shingon Reiki sind solche echten Reiki-Linien, wobei Mark Hosak diese noch weiter differenziert und das Verhalten der einzelnen Meister und die Graduierung mit einbezieht.

Von daher fallen im Shingon Reiki alle Linien außen vor, deren Meister absurde Änderungen oder Ergänzungen am Reiki-System vorgenommen haben. Daher grenzt sich der Stil Shingon Reiki insbesondere von solchen Meistern und deren Stilen ab, deren Inhalte aus dubiosen Quellen stammen, die nicht recherchiert werden können. Zur Abgrenzung  gehören auch Inhalte wie etwa Channelings und Rückerinnerungen an frühere Leben. Das soll den Wert vom Channeling oder von Rückführungen in keiner Weise schmälern, ist jedoch im Zusammenhang mit Usui Reiki unpassend, weil es mit Usui Reiki nichts mehr zu tun hat. Wie sich gezeigt hat gibt es leider einige Meister, die den guten Namen von Reiki benutzen, um hinter Verpackung etwas anderes zu verkaufen.

Mark Hosak hat seit 1993 mehrere Reiki-Stile und Reiki-Linien bis zum Meistergrad erlernt. Leider haben sich einige Lehrer im Laufe der Zeit mit Größenwahn und Rückerinnerungen derart von den Grundsätzen des Usui Reiki entfernt, wie sie auf dem Gedenkstein der Mikao Usui erörtert werden, dass man trotz einer direkten Linie zu Usui nicht mehr von Reiki sprechen kann. Sollte im Folgenden der Anschein gegeben sein, dass es noch mehr Linien gibt, in die Mark Hosak eingeweiht wurde, so mag das sein. Solche nicht erwähnenswerten Linien haben dann aus den oben genannten Gründen jedoch nicht mit Reiki zu tun.

Im Shingon Reiki gibt es eine Energie-Linie und zwei Meisterlinien. Die Energie-Linie ist die Takata-Linie:

Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Habben – Fuhrmann – Hosak

Mark Hosak wurde von Sigrid Fuhrmann in Bremen in den 1. und 2. Grad Usui Shiki Ryôhô 臼井式療法 eingeweiht und ausgebildet. Um die Reiki-Kraft und die Fähigkeiten mit Reiki zu festigen, hat er diese Seminare bei ihr mehrfach besucht. Damit wurde die Reiki-Kraft an Mark Hosak übergeben, die seither durch seine Hände strömt.

Die erste Meister-Linie von Mark Hosak ist die Aoki-Linie im Stile des Reidô-Reiki 霊道靈氣:

Usui – Wanami – geheim – Aoki – Piquer – Hosak

Mark Hosak wurde von Joan Piquer in den japanischen Reiki-Stil Reidô-Reiki vom 1. Grad bis zum Meister ausgebildet. Die Grade dort heißen: Shoden, Okuden, Shinpiden. In diesem Stil hat Mark Hosak menkyô kaiden 免許皆伝 erhalten. Das ist die vollständige Einweihung in die Geheimnisse der Lehre und die vollständige Meisterschaft dieses Stils. Damit darf Mark Hosak den Stil Reidô-Reiki bis zum höchsten Meistergrad unterrichten.

Der Reiki-Stil Reidô-Reiki wurde von Meister Aoki begründet. Sein Lehrer ist ein Mitglied der von Mikao Usui gegründeten Reiki-Gesellschaft Usui Reiki Ryôhô Gakkai 臼井靈氣療法学会. Nun dürfen die Mitglieder der Gakkai Außenstehende nicht unterrichten. Tun sie es doch, werden sie aus der Gakkai ausgeschlossen. Um das zu vermeiden, benennt Aoki seinen Lehrer nicht. Die Echtheit dieser Linie und der Inhalte dieses Stils zeigen sich im Vergleich zu dem Stil Gendai Reiki, dessen Gründer Doi ein Mitglied der Gakkai war.

Die zweite Meister-Linie von Mark Hosak ist die Doi-Linie im Stile des Gendai-Reiki 現代靈氣 oder auch 現代レイキ geschrieben:

Usui – Taketomi – Koyama – Doi – Piquer – Hosak

Mark Hosak wurde von Joan Piquer in den japanischen Reiki-Stil Gendai-Reiki vom 1. Grad bis zum Meister ausgebildet. Die Grade dort heißen: Shoden, Okuden, Shinpiden. In diesem Stil hat Mark Hosak menkyô kaiden 免許皆伝 erhalten. Das ist die vollständige Einweihung in die Geheimnisse der Lehre und die vollständige Meisterschaft dieses Stils. Damit darf Mark Hosak auch den Stil Gendai-Reiki bis zum höchsten Meistergrad unterrichten.

Der Reiki-Stil Gendai Reiki wurde von Meister Doi begründet. Ursprünglich hat Doi bei Petter in Nordjapan Osho-Reiki gelernt. Um den Weg zum wahren Reiki zu finden, wurde Doi Mitglied der Gakkai und erlernte Reiki von Meister Koyama aus erster Quelle. Doi ist bekannt, dass es Mitgliedern der Gakkai untersagt ist, Reiki an Außenstehende zu unterrichten. Trotzdem hat er sich entschlossen, dass Wissen der Gakkai nach außen weiterzugeben, weil auf dem Gedenkstein beim Grabe des Mikao Usui steht, dass Reiki an allen Orten der Welt verbreitet werden möge. Daher ist Doi nun kein Mitglied der Gakkai mehr. Gendai Reiki bedeutet modernes Reiki. Es vereint einige der östlichen und westlichen Reiki-Methoden.

Die oben drei genannten Linien sind die des Shingon Reiki. Mit dem Begründer Mark Hosak des Shingon Reiki beginnt die Shingon Reiki-Linie. Man könnte sie auch als die Hosak-Linie bezeichnen. In die Shingon Reiki-Linie gehören alle Meister ausgehend von Mark Hosak, die in einer ununterbrochenen Linie zu ihm in Shingon Reiki eingeweiht und ausgebildet werden. Darüber wird eindeutig Buch geführt, um eventuelle Trittbrettfahrer und Nachahmer schnell ausfindig machen zu können.

Mikao Usui und sein Gedenkstein

Usui Gedenkstein Saihoji Tokio

Der Gedenkstein des Mikao Usui bei seinem Grabe am Tempel Saihoji in Tokio mit Mark Hosak, 2015Creative Commons Lizenzvertrag

Der Japaner Mikao Usui hat im Jahre 1922 die Reiki-Heilmethode mit dem Namen Usui Reiki Ryôhô begründet. Seine Lebensgeschichte und sein Wirken findet sich auf seinem Gedenkstein beim Grab der Familie Usui im Saihôji Tempel in Tokio. Die Inschrift gibt über Mikao Usui einige Informationen preis, die bisher wenig bekannt waren und die einigen engen Bezug zu den Inhalten des Shingon Reiki haben. Der Gedenkstein gibt Aufschluss über Zusammenhänge zum Buddhismus, Schamanismus und zum Okkultismus.

Der Text des Gedenksteins wurde in den Worten eines buddhistischen Sûtras verfasst. Der Inhalt beschreibt die Verdienste des Meisters Mikao Usui. Der Text ist voll von buddhistischen Fachbegriffen mit tiefer Bedeutung, so dass sich bei Beschäftigung damit mehr Informationen als nur die Übersetzung aus dem Stein herauslesen lassen, wenn man sich in diesen Bereichen etwa als Japaner oder Japanologe auskennt.

Mikao Usui wurde am 15. August 1865 in eine Samurai Familie geboren. Das bedeutet, dass er eine Ausbildung zum Samurai genossen hat. Er lernte die Kampfkünste Yagyû-Ryû und Aikijujutsu. Aus der letzteren wurde viele Jahre später von Morihei Ueshiba das Aikidô entwickelt. Es gibt Hinweise, dass Usui einer der Kampfkunstlehrer von Ueshiba gewesen ist. bei der Ausbildung zum Samurai werden neben den Kampfkünste auch Methoden der Heilung gelehrt. Lesen und schreiben lernte Usui in einem Kloster der Tendai-Schule des tantrischen Buddhismus. So hat er seit seinem sechsten Lebensjahr über den Buddhismus intensive Kontakte zur Spiritualität bekommen. Später wurde er Tendai-Mönch und erhielt den buddhistischen Namen Gyôhan. Das bedeutet Gehisstes Segel in der Morgendämmerung.

Usui soll sich in den Bereichen der Antlitzdiagnose, Beschwörungs-Magie, Magie mit Zauberformeln und Divination besten ausgekannt haben. Zudem war er belesen in Schriften östlicher und westlicher Weisheitslehren wie etwa Buddhismus und Christentum.

Auf dem Gedenkstein wird Reiki als eine spirituelle Methode und eine Methode der natürlichen Heilung beschrieben. Es wird darauf hingewiesen, dass sich Heilung nicht ausschließlich auf Symptome und Krankheiten bezieht, sondern auf die Vervollständigung des spirituellen Herzens mit geistigen Übungen zur Entwicklung der Persönlichkeit und dem Training natürlicher und übersinnlicher Fähigkeiten. Vor diesem Hintergrund hat Shingon Reiki die Schwerpunkte der persönlichen und spirituellen Entwicklung, das Training übernatürlicher Fähigkeiten und das Anwenden von Reiki zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte.

Die Vervollständigung des spirituellen Herzen ist die Erlangung des Herzens der Erleuchtung. Das Herz der Erleuchtung ist die Erkenntnis, dass die Erleuchtung und damit das von allen Schatten und karmischen Verstrickungen geheilte Herz einem jeden Wesen innewohnt. Es ist wichtig, dies zu erkennen und auch zu leben. Darin ist die Grundessenz des Tantrischen Buddhismus der Tendai-Schule enthalten, in der mit geistigen Übungen wie etwa Meditationen der Weg der stufenweisen Erleuchtung beschritten wird. Solche Meditationen sind im Shingon Reiki im Bereich der buddhistischen geistheilung verankert.

Auf dem Gedenkstein werden zwei Anwendungen aufgezeigt:

  1. Reiki geben durch Handauflegen
  2. Kontemplative Meditation der Lebensregeln

Das Handauflegen zeigt sich auf dem Gedenkstein insbesondere in einer Episode seiner Biographie, wo Usui nach dem Großen Erdbeben der Kantô-Region jeden morgen früh aufstand, durch die Stadt wanderte und sich den vom Erdeben leidenden Menschen plötzlich zuwandte, um ihnen die Hände aufzulegen. Dieses verhalten und die Wirkung der Reiki-Kraft durch das Handauflegen ist einer der Gründe für seinen großartigen Erfolg und seine Bekanntheit in den folgenden Jahren.

Die Lebensregeln des Mikao Usui

Den Lebensregeln des Mikao Usui ist ein ganzer Abschnitt auf dem Gedenkstein gewidmet. Dazu gehört noch mehr als die bekannten fünf Lebensregeln. Davor ist ein Abschnitt, um was es bei Reiki geht und am Ende gibt es eine Anleitung zur Verwendung der Lebensregeln im Rahmen einer kontemplativen Meditation. Auf einer Kalligrafie auf einem Foto mit Mikao Usui gibt es eine zweite Version des Textes.

Mark Hosak hat im Rahmen seiner Forschungen als Japanologe, Kunsthistoriker und Budologe herausgefunden, dass es hier einen Zusammenhang zwischen Reiki, Buddhismus und den Lebensregeln gibt. Seiner Ansicht nach sind die Lebensregeln und ihre Anwendung eine der Schnittstellen zwischen Reiki und dem tantrischen Buddhismus. Heilung im Buddhismus nennte Mark Hosak Buddhistische Geistheilung. Handauflegen wird in der buddhistischen Geistheilung eher selten angewandt. Kontemplative Meditation ist die Grundlage der buddhistischen Geistheilung. Darüber hat Mark Hosak seine Dissertation geschrieben und 2015 seine Promotion an der Uni-Heidelberg abgeschlossen.

Usui Lebensregeln als Kalligrafie von Mark Hosak

Usui Lebensregeln – Kalligrafie von Mark Hosak, 2015Creative Commons Lizenzvertrag

Der japanische Text wird von rechts nach links und von oben nach unten gelesen. Daher sind die Zeilen eher senkrechte Kolumnen.

Die ersten zwei Kolumnen bilden die Überschrift der Usui Lebensregeln. Darin finden sich bereits Informationen über die Methodik und Wirkung von Reiki und den Lebensregeln.

招福の秘法 – Shôfuku no hihô – Geheime Methode zum Einladen des Glücks

万病の靈薬 – Manbyô no reiyaku – Spirituelles Heilmittel unzähliger Krankheiten

Es folgt in drei Kolumnen der Haupttext der Lebensregeln:

今日だけは     怒るな – Kyô dake ha      okoru/ikaru na – Gerade an diesem heutigen Tag     Ärgere dich nicht. / Ärgern – lass sein.

心配すな – shinpai suna – Sorge dich nicht. / Sorgen – lass sein.

感謝して – kansha shite – Sei dankbar.

業をはげめ – gô wo hageme – Kümmere Dich um Dein Karma.

人に親切に – hito ni shinsetsu ni  – Sei freundlich zu den Lebewesen. / Sei  wohlwollend zu den Lebewesen.

Die nächsten zwei Kolumnen sind die Anleitung zur Meditation:

朝夕合唱して – Asayu gasshô shite – Lege Deine Hände morgens und abends in Gasshô vor dem Herzen zusammen.

心に念じ – kokoro ni nenji – Lenke Deine Aufmerksamkeit in Dein spirituelles Herz.

口に唱えよ – kuchi ni tonaeyo – Rezitiere (sie, die Lebensregeln) mit dem Mund

Folgende vier Zeichen geben Auskunft über die Wirkung bei regelmäßiger Anwendung

心身改善 – shinshin kaizen – Kontinuierlicher Verbesserungsprozess von Körper, Geist und spirituellem Herz

Zum Abschluss werden die Methode und der Autor benannt.

臼井靈氣療法 – Usui reiki ryôhô – Methode natürlicher Heilung spirituelle Lebensenergie nach Usui

肇祖 – chôso – Erster Linienbegründer

臼井甕男 – Usui Mikao

Oft wird diese Meditation einfach nur als Gasshô-Meditation bezeichnet. Gasshô ist aber lediglich nur ein Teil von dreien und steht für das Mudra der vor dem Herzen zusammen gelegten Hände. Dieser Text mit den Lebensregeln ist im Shingon Reiki besonders wichtig. Einerseits ist es ein Originaltext und andererseits zeigt er eine Verbindung zum Tantrischen Buddhismus, weil die Meditations-Anleitung eine Variante der Meditation der Drei Mysterien sanmitsu 三密 beschreibt.

Die Drei Mysterien sind Körper, Rede und Sinn. Bezogen auf die Lebensregeln heisst das, dass mit dem Körper während der Meditation eine meditative Haltung mit der Gasshô-Mudra eingenommen wird. Die Rede steht für das laute Rezitieren und der Sinn für die Lenkung der Aufmerksamkeit in das spirituelle Herz. Bezogen auf den Alltag ist der Körper das Verhalten, die Rede die Kommunikation und der Sinn, alle Handlungen aus einem Gefühl der Liebe, Mitgefühl und Weisheit heraus zu sehen.

Quellen in buddhistischen Sûtras

Sûtras sind heilige Texte im Buddhismus. Mit ihnen wurden die buddhistischen Lehren in Theorie und Praxis mit Meditationen und Ritualen nach Japan überliefert. Zuvor wurden die Sûtras in China in Chinesische übersetzt. Mit den texten des Tantrischen Buddhismus wurde die Inhalte der Rituale der Heilung überliefert.

Im Zusammenhang mit den Sûtras hat Mark Hosak herausgefunden, dass der Inhalt der Lebensregeln eine Zusammenfassung der förderlichen und nicht förderlichen Verhaltensweisen ist, wie sie im Sûtra der großen Sonne beschreiben werden. Die Inhalte dieses Sutras gehören zu den grundlegenden Lehren des Tantrischen Buddhismus. Da das Wissen um die Sûtras im Usui Reiki, wie es über Frau Takata in den Westen überliefert wurde, kaum bekannt ist, handelt es sich hier um die Ergänzungen des Shingon Reiki.

Ein weiterer wichtiger Text ist das Sûtra des Übertreffens der Wahrheit. Darin werden die Siddham als Symbole für Rituale zur Erlangung des Herzens der Erleuchtung und der Heilung beschrieben. Dazu gehört auch der Ursprung des Mentalheilungssymbols des zweiten Grades Usui Reiki. Das ursprüngliche Symbol hat eine etwas andere Form wie das mentalheilungssymbol. Es ist das Siddham Hrih. Das Hrih ist in Japan besonders für den Amida-Buddhismus bekannt, weil man es auf vielen Grabsteinen für Rituale sehen kann. Steine stehen draußen und halten sich über die Jahrhunderte. Von daher wissen nur wenige über die Funktionen der Heilung dieses Symbols bescheid, denn dafür muss man den Tantrischen Buddhismus in Japan intensiv studieren.

Das Logo des Shingon Reiki

Shingon Reiki Logo von Mark Hosak

Shingon Reiki Logo von Mark Hosak, 2015Creative Commons Lizenzvertrag

Das Hrih ist das Symbol im Logo des Shingon Reiki. Es zeigt im unteren Bereich eine Lotusblüte, die für die Reinheit des spirituellen Herzens und Geistes steht. Der Kreis darüber steht für Sonne und Mond. Das Orange ist die Sonne und das Gelb ist der Mond. Der Mond hat mit Geistesruhe und Frieden im Herzen zu tun. Die Sonne steht für das Licht und die Weisheit des Herzens. Aus buddhistischer Sicht sind Herz und Geist wie ein Diamant, so rein wie der Lotus, ruhig wie der Mond und strahlend wie die Sonne.

Das Zeichen hier in der Mitte ist das Siddham Hrih. Es steht für mehrere Buddhas und weitere Wesen im Esoterischen Buddhismus, wie etwa Amida für den Zustand der Glückseligkeit und Kanon für die Heilung des Geistes und Herzens auf dem Weg zur Glückseligkeit. So ist Shingon Reiki ein Weg und eine Methode für einen reinen Geistes und zur Erlangung von Friede im Herzen.

Shingon Reiki und Buddhismus

Wie oben bereits vielerorts erwähnt, hat Mikao Usui weite Teile seines spirituellen Wissens aus dem Tantrischen Buddhismus geschöpft. Andere Begriffe dafür sind Esoterischer Buddhismus, Geheimlehren und Mikkyô.

Der Tantrische Buddhismus beinhaltet einerseits die Lehre des Mahayana, in der es darum geht, selbst auf die volle Erleuchtung zu verzichten, bis man allen anderen Wesen verholfen hat, den Weg ihres Herzens folgen zu können, damit sie das jedem Wesen innewohnende Herz der Erleuchtung (bodaishin 菩提心) erkennen können. Andererseits bekommt man im Tantrischen Buddhismus eine ganze Reihe von magischen Werkzeugen wie Ritualen und Meditationen der Heilung mit Symbolen und Mantras mit auf dem Weg, um damit das Herz der Erleuchtung erlangen zu können.

Das Herz der Erleuchtung (im tibetischen Buddhismus auch Erleuchtungsgeist genannt), ist die Erkenntnis, dass das spirituelle Herz (kokoro 心) im Grunde rein und erleuchtet ist. Das ist vergleichbar mit einer Lotusblüte (renge 蓮華), auf die sich kein Staubkorn absetzen kann. Lotus wächst im Schlamm. Der Schlamm symbolisiert die Verwirrungen des Geistes und die karmischen Verstrickungen. Diese zeigen sich in vielen Lebenssituationen und besonders auch in der Persönlichkeit. Folglich ist es möglich, dass jeder mit dem geistigen Schlamm als Grundlage die Reinheit des Herzens (Geist) erlangen kann.

Dabei helfen die Rituale und Meditationen der Heilung. Das ist so, als würde man in der Erde einen Diamant finden, ihn reinigen und immer weiter polieren, bis seine wahre Schönheit vollends zum Ausdruck kommt. Dieses Phänomen beschreibt Usui beschreibt mit dem Begriff der Urnatur (honsha 本者). Das sind die ersten beiden Schriftzeichen, des Reiki Fernheilungssymbols, welches eine magische Sigille (von lateinisch Sigillum„Siegel“) darstellt.

Die Rituale und Meditationen der Heilung inklusive der Mantras (shingon) und Symbole namens Siddham (bonji 梵字) sind eine Form der östlichen Magie. Vergleicht man diese mit der westlichen Magie, so fällt auf, dass sich die Symbolik zwar in gewisser Weise unterscheidet, das Ziel jedoch das gleiche ist. In der westlichen Magie ist es die Arbeit am großen Werk und in der östlichen Magie der Weg der Erleuchtung. Bei den Recherchen seiner Dissertation über die Siddham Schrift in der japanischen Kunst im Zusammenhang mit Ritualen der Heilung hat der Japanologe und Kunsthistoriker Ostasiens Mark Hosak diese Zusammenhänge erkannt.

Dabei stellte Mark Hosak auch fest, dass in den westlichen Weisheitslehren häufig die Rede von einer sogenannten Od-Kraft sei. Od steht für den Gott Odin. Od bedeutet Lebensenergie. In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass man aufpassen muss, im Rahmen von Ritualen und der Erlangung übernatürlicher Kräfte, möglichst keine eigene Od-Kraft zu verlieren. Das gilt auch für östliche Weisheitslehren im Bereich des Qigong. Das Besondere bei Reiki ist dem hingegen, dass es beim Anwenden von Reiki nicht möglich ist, eigene Energien zu verlieren, weil er Reiki-Anwender die Reiki-Kraft durch sich leitet und davon sogar erfüllt wird.

Sodann kam Mark Hosak auf die Idee, wie es wäre, Reiki mit den westlichen Weisheitslehren zu verbinden, damit das Problem des Energieverlustes aufgehoben wird, so dass man auf völlig neuartige Weise magisch arbeiten kann. Damit war sodann einer weiter Aspekt des Shingon Reiki geboren.

Shingon Reiki beinhaltet somit folgende Komponenten:

  • traditionelles Reiki nach Mikao Usui – Usui Reiki Ryôhô 臼井靈氣療法 zur Entwicklung übernatürlicher Fähigkeiten, wie das Heilen mit Händen, zur spirituellen Entwicklung und zur Behandlung im Rahmen der Geistheilung zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte
  • Weiterentwicklungen von Mark Hosak auf der Basis seiner langjährigen Erfahrungen mit Klienten und Forschungen über die Geschichte und Praxis des Reiki in Japan
  • Meditationen und Heilungs-Rituale des Esoterischen Buddhismus, die Mark Hosak im Rahmen seiner Dissertation erforscht und in Japan in den buddhistischen Klöstern erlernt hat
  • die Kombination aus östlicher und westlicher Weisheitslehren

Mark Hosak kam 2005 auf die Idee, seinen Stil Shingon Reiki zu benennen, nachdem er seit 1993 begann über Reiki zu forschen. Sich und seine Freunde hat er damit seither behandelt. Da es nicht in seinem Interesse liegt, noch einen neuen Reiki-Stil zu gründen, wobei es doch schon soviel davon gibt, ging er damit bis 2013 nicht in die Öffentlichkeit. Sehr wohl hat er seine Grundideen dazu bereits 2004 im „Großen Buch der Reiki-Symbole“ veröffentlicht, wo er die Zusammenhänge zwischen Reiki und dem Tantrischen Buddhismus ausgiebig erklärt.

Die von Mark Hosak geschriebenen Kapitel und Seiten sind: 

  • Teil II – Der ostasiatische Spirituelle Hintergrund des traditionellen Usui-System der natürlichen Heilung mit Reiki. S. 76-244.
  • Teil III – Ursprung, Bedeutungen und Mythologischer Hintergrund der Traditionellen Reiki-Symbole und eine kleine Einführung in die Kalligrafie. S. 245-438
  • Wissenschaftliches Literaturverzeichnis – S. 570-573
  • Index – S. 592-608