Taguchi Ryu Nyo Kenjutsu – Japanische Schwertkampfkunst

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Kenjutsu – Die Geschichte der japanischen Schwertkampfkunst

Kenjutsu Mark HosakIn Japan benutzte man schon sehr früh Schwerter im Kampf. Im japanischen Mittelalter, als die Samurai-Kriegerschicht entstand (ca. 11. Jhd.), begannen die Japaner unterschiedliche  Kenjutsu-Stile zu entwickeln. Langfristig überstanden jedoch nur die Stile die Zeit, die für einen echten Kampf tauglich waren. Große Kenjutsu-Meister feilten die Schwerttechniken immer weiter aus, so dass das Niveau des Kenjutsu dadurch immer weiter stieg.

Dann kam eine Zeit in der in Japan sehr lange Frieden herrschte (Edo-Periode, 1600 bis 1868). Während dieser Zeitspanne, verbanden die Samurai das ursprünglich harte Kenjutsu-Training mit den angenehmen Lebenskünsten, z.B. mit der Teezeremonie. Viele Kenjutsu-Stile entwickelten sich so zu einer reinen Kunstform weiter, die irgendwann nur noch wenig mit kampftauglichem Kenjutsu gemein hatte.

Im 19. Jahrhundert öffnete sich Japan dem Westen und die Kriegerschicht wurde abgeschafft. Die Samurai leisteten dabei heftigen Widerstand (Filmtipp: „The last Samurai“), der aber schließlich nichts daran änderte.

Trotzdem gibt es viele ehemalige Samuraifamilien, die ihre Künste bis heute weiter trainieren. Da die meisten für ihre Künste fast keine Werbung machen, ist es für uns Ausländer enorm schwierig, eine traditionelle Samurai-Schule zu finden. Oft landen dann Suchende beim Volkssport Kendô – leider nur eine angedeutete Form der ursprünglichen Samuraikünste.

Wenn Sie bei mir trainieren, tauchen Sie ein in einen authentischen Kenjutsu-Stil

Schwert gegen HandtuchSchon seit frühester Kindheit begeisterten mich ostasiatische Kampfkünste. Seit meinem 13. Lebensjahr trainierte ich fast ausschließlich bei Japanern verschiedene Kampfkünste. So bekam ich auch Zugang zu der japanischen Kultur und Sprache. Im Laufe der Jahre stellte ich den besonderen Reiz der alten Kampfkünste fest. Bald übte ich mich nur noch in klassischen Stilen wie Taijutsu, Bojutsu, Ninjutsu und Kenjutsu. Über die vielen Kontakte und Reisen nach Japan lernte ich eines Tages meinen Meister Taguchi kennen. Meister Taguchi stammt aus einer Samurai-Familie und blickt auf eine über 55-jährige Kampfkunstkarriere alter Stile zurück. Er ist Großmeister verschiedener Stile im Kenjutsu, Bojutsu und Ninjutsu und hat sogar seinen eigenen Stil „Taguchi Ryubojutsu“ gegründet. Seine Wurzeln im Kenjutsu sind das Sojutsu, Yagyu Shinkage Ryu, Eishin Ryu und Shinkan Ryu.

Nachdem Meister Taguchi bereits Großmeister im Kenjutsu (ein Großmeister ist ein Lehrer, der Lehrer ausbildet) wurde, machte er Bekanntschaft mit dem Ninjutsu Großmeister und Linienoberhaupt namens Hatsumi. Mit ihm tauschte er sich über Jahre aus und lernte Ninjutsu auch bis zur Großmeisterschaft.

Während meines langen Japanaufenthaltes von 1996-1999 hatte ich die Ehre, neben dem normalen Training fast täglich Privatunterricht zu genießen. Mehrfach schickte Meister Taguchi mich für Wochen in die japanischen Wälder, um dort umgeben von der Natur auf traditionelle Weise zu trainieren und zu meditieren. Nachdem ich über ein Jahr sein Assistenzlehrer in Japan war, hatte ich die Erlaubnis erhalten, seine Kunst im Westen unterrichten zu dürfen. Dabei geht es um Ninjutsu in Kombination mit Kenjutsu.

Kenjutsu Trainingsplan

Im Training verwenden alle Schüler das traditionelle Holzschwert (jap.: Bokken, Bokutô). Mit einer echten Klinge wird erst ab einem sehr fortgeschrittenen Stadium geübt. Bei Taguchi-Sensei liegt der Schwerpunkt auf einer sowohl sauberen Technik als auch der Kunst, sich natürlich zu bewegen. Feinste Details, wann welcher Samurai einen Schritt macht, sind eher sekundärer Natur. Dafür beginnt man sehr bald mit Partnerübungen Schwert gegen Schwert; Schwert gegen waffenlos; Schwert gegen Stock etc. Die Techniken sind so konzipiert, dass man nicht davon ausgeht, immer einen großen Helm zu tragen. Siehe Abbildung unten rechts. Wenn ich dort einen Helm tragen würde, könnte ich das Schwert dort nicht hinnehmen.

Auf den Schwertkampf abgestimmte Aufwärmphase

Kenjutsu - Schwert gegen HandtuchIm Kenjutsu gibt es spezielle Übungen, die mit einem Aufwärmtraining vergleichbar sind. Diese fördern gleichzeitig einerseits die Vermeidung von Verletzungen und andererseits die Geschmeidigkeit und Stärke des Körpers. Genaugenommen geht es aber auch um vorbereitende Muskel- und Dehnübungen, durch die die Schüler durch regelmäßige Anwendung sehr schnell auf ein technisch hohes Niveau kommen. Sie sind Bestandteile der Grundtechniken. Die meisten dieser Übungen werden mit dem Holzschwert ausgeführt.

Kenjutsu-Grundtechniken

In diesem Teil werden Techniken und Schritte geübt. Beides ist für die Partnerübungen essentiell. Ein wichtiges Ziel dabei ist, zu lernen, sich immer natürlicher zu bewegen.

Am Anfang liegt der Schwerpunkt auf Schläge von oben nach unten. Dabei geht es weniger um die Muskelkraft, als um die Fähigkeit durch lockere und flüssige Bewegungen Effektivität zu erzielen. In Japan spricht man auch davon, die Kraft aus der Hüfte in das Holzschwert zu übertragen, als sei dieses ein Teil des eigenen Körpers. Das spart Kraft, belebt den Geist und sieht dazu noch sehr elegant aus. Je mehr diese erste und wichtigste Technik gelingt, desto leichter Fallen später die Bewegungen. Das gilt auch für alle anderen Richtungen. Selbstverständlich werden auch diese mit steigernder Kompetenz gelehrt. Alle diese Techniken werden im Sitzen, Stehen und in der Bewegung mit ausgeklügelter Fußarbeit geübt. Im Kenjutsu sind Angriff und Abwehr kaum voneinander zu trennen. In jeder Abwehr ist auch eine Art Angriff verborgen. Bei den Grundübungen ohne Partner fällt dieses aber zunächst kaum auf. Um den Bezug zur Realität mit dem Partner zu wahren und um den Sinn der Techniken zu erklären, führe ich die einzelnen Übungen mit einem Partner vor.

Kenjutsu-Partnerübungen

Bei den Partnerübungen wird großer Wert auf ein verantwortungsvolles Miteinander gelegt. Von gefährlichen Spielen mit Gewinnsucht zur Profilierung des Egos wird abgesehen. Am Anfang sind die Abläufe der Partnerübungen festgelegt. Später sind durch Kombinationen und natürliches Aneinanderketten freie Abläufe mit dem Partner möglich.

Dadurch, dass es zu einem Kontakt beider Holzschwerter kommt, wird viel über das Gefühl mit dem Kontakt gearbeitet. Anstelle den Angriff zu blocken, wird das Schwert des anderen mit dem eigenen aufgenommen und weitergeführt. Solange der Kontakt aufrecht erhalten wird, kann man die Absicht des Partners erspüren und für sich selber benutzen. Daher ist in vielen Partnerübungen das absichtslose Handeln ein hohes Ziel.

Iaido – Die Kunst, das Schwert zu ziehen

Bevor das Holzschwert benutzt werden kann, muss es erst einmal gezogen werden. Nach der Benutzung wird es zurückgesteckt. Dabei spielen Geschick, Geschwindigkeit und Fußarbeit eine große Rolle. Es gibt verschiedene Arten das Schwert zu ziehen, wie etwa vertikale, horizontale oder diagonale Richtungen. Einerseits sieht es wie eine elegante Kunstform aus. Andererseits münden viele Bewegungen auch in weiterführende Techniken mit und ohne Partner.

Weiterführende Kenjutsu-Partnerübungen

Katana und JitteSobald die Basis hinreichend beherrscht wird, folgen spezielle Kenjutsu-Partnerübungen. Im alten Japan kam es nicht selten vor, dass es zu einem Kampf zwischen bewaffneten und unbewaffneten Leuten kam. Entsprechend gibt es auch Techniken der Entwaffnung. Hebel und Würfe sowie Fallübungen mit dem Schwert sind ein weiteres Medium im Kenjutsu.

In einem noch fortgeschritteneren Stadium werden dann auch der Umgang mit zwei Schwertern und anderen traditionellen japanischen Waffen des Kenjutsu wie etwa Hellebarde, Speer oder Sichel gelehrt.

Meditative Aspekte im japanischen Schwertkampf Kenjutsu

Zu Beginn und zum Ende des Trainings gibt es eine kurze meditative Begrüßung. Der Alltag wird losgelassen und man stimmt sich nun voll auf das Training ein. Am Ende ist es dann umgekehrt, wobei die positive Schwingung des Trainings mit in den Alltag übertragen werden kann.

Das Training im Kenjutsu ist wie eine spezielle Form der Meditation in Bewegung. Je mehr es gelingt, im Fluss und in der eigenen Mitte zu sein, desto natürlicher werden die Bewegungen. Das Erlernen des Kenjutsu erfolgt in besonderem über den Körper. Der Geist hat dabei die Aufgabe immer mehr loszulassen. Selbstverständlich sind dazu förderliche Übungen in das Training mit integriert.